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Eine Baustelle, ein Geist und der April

by sara – NEWS AUS KAMBODSCHA

17.04.2015

Zu allererst: សួស្ដីឆ្នាំថ្មី! Happy Khmer New Year!

Während drei Tagen (14. bis 16. April) kam der Alltag zum Stillstand, die Menschen besuchten ihre Familien, gingen zu den Pagodas und tanzten und feierten fröhlich zu sehr lauter Musik. Für uns die perfekte (Verschnauf-)Pause, um euch wieder ein Update zu schreiben.

Mit Freude bauen

Der Umbau von unserem neuen, grösseren und noch schöneren HAVEN geht mit viel Freude und Begeisterung voran. Schon kurz nach Vertragsunterzeichnung haben wir unsere Vorstellungen und Ideen konkretisiert und auf Papier gebracht. Seither arbeiten wir parallel am Umbau des Erdgeschosses und Obergeschosses, am Bau des Schulzimmers und am Anbau für die grosse Trainingsküche – welche natürlich Schweizer Hygienestandards erfüllen und optimale Bedingungen für unsere Lehrlinge bieten wird.

Für die visuelle Erscheinung bekommen wir grosse Unterstützung von unserem guten Freund Christian Baumann, der mit seinem eigenen Interieur Design Geschäft über 20 Jahren Erfahrung mit einbringt. Kurz entschlossen flog er im Februar für eine knappe Woche nach Siem Reap, um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen. Nun ist er in der Lage, auch von der Schweiz aus Inputs zu geben und uns beratend zur Seite zu stehen. Danke vielmals für die Hilfe!

Am weitesten fortgeschritten ist unser Schulhaus welches nebst dem Klassenzimmer auch mit Umkleideräumen für die Frauen und Männer (natürlich getrennt) ausgestattet ist. Das Gebäude ist soweit fertig und es wird momentan nur noch das ganze Elektrische installiert.

 

Da wir den Charme des über 50 Jahre alten Khmer Hauses behalten wollen, möchten wir es grundsätzlich nur sanft renovieren. Dies ist im Erdgeschoss allerdings eine besondere Herausforderung, da wir diese Renovation mit einem komplett neuen Anbau für die Restaurant- und Trainingsküche kombinieren müssen. Ein Anbau, für den wir die ganze Rückseite des Gebäudes im EG raus reissen mussten und nun mit einer modernen Küche erweitern. Dieser Teil wird mit Abstand der grösste Posten, den wir zu bewältigen haben.

 

Das Obergeschoss des Khmer Hauses besteht traditionell aus Holz. Nachdem wir alle Wände raus genommen hatten, mussten wir an einer Stelle zusätzlich den Holzboden entfernen, da dieser komplett morsch und voller Löcher war. Aber unser Holzspezialist Soklun hat den Fussboden inzwischen wieder hochwertig, sicher und sehr schön ersetzt. 

 

Diese Woche wird wegen Khmer New Year nicht gearbeitet, aber nächste Woche geht es schon wieder weiter. Dann wird das Khmer Haus erst einmal fertig umgebaut, bevor wir mit dem Aussenbereich, dem Patio, beginnen.

Geist im Lehrlingshaus

Wieder einmal wurden wir mit einer Situation konfrontiert, die uns zeigt, wie sehr wir uns schon in Kambodscha eingelebt und an die Kultur und Sitten gewöhnt haben. Ende Januar, eine Woche nach dem Umzug in's neue Traineehouse, erfuhren wir von Housemum, dass es ein Problem gibt: es lebt ein Geist im Obergeschoss, den es zu besänftigen gilt. 

Alles kein Problem! Schliesslich ist das nicht unser erster Geist und wir wissen, was zu tun ist. Vor allem Steffi, die sich inzwischen sehr gut auskennt mit den aussergewöhnlichen Gebräuchen hier. 

So machte sie sich in einer freien Minute auf zur Pagoda (buddistisches Kloster) und organisierte die Mönche und den Kru Khmer (eine Art alter weiser Medizin Mann) für dieses Anliegen. Am Sonntag trafen wir uns dann alle im Traineehouse und stimmten den Geist versöhnlich, mit einer schönen Zeremonie. 

Seit diesem Zeitpunkt leben alle (Housemum, Trainees und Geist) friedlich zusammen unter einem Dach.

Was der April sonst so bringt 

Üblicherweise bleibt HAVEN im April jeweils drei Wochen geschlossen. Eine Woche Ferien für alle in der Khmer New Year Woche und zwei Wochen Spezial-Training für unsere Lehrlinge. Während diesen zwei Wochen bekommen sie einen Ausbildungs-Feinschliff, der am letzten Samstag der Trainingswochen damit abgeschlossen wird, dass die Lehrlinge das ganze Restaurant (Küche und Service) für geladene Gäste selber führen müssen. Sowohl Küchenchef Pardet, wie auch wir werden nur als Zuschauer anwesend sein. Ihr könnt euch sicher gut vorstellen, dass alle wahnsinnig nervös sind. Sie werden auf jeden Fall immer ganz still, wenn das Thema aufkommt.

Wieso ich diesen Beitrag aber mit 'Üblicherweise' angefangen habe ist, weil wir dieses Jahr HAVEN bereits eine Woche früher geschlossen haben. Der Grund dafür: in den letzten Jahren wurden wir immer wieder von Gästen darauf angesprochen, ob wir ihnen das eine oder andere Rezept verraten könnten oder ob wir ein Kochbuch hätten.

Diese Fragen mussten wir bisher immer verneinen. Doch im letzten Herbst kontaktierte uns Régis, ein französischer Fotograf (der ebenfalls in Siem Reap lebt) und fragte, ob er mit uns ein Kochbuch machen könnte. Das war die Gelegenheit! So haben wir während den letzten Monaten die Rezepte zusammen gestellt und er hat das Bild-Konzept und Layout vorbereitet. 

Letzte Woche war es dann soweit. Während fünf vollen Tagen haben wir sämtliche Gerichte für das Buch fotografiert. Das Fotoshooting mussten wir im Traineehouse machen, da es eine ziemlich windige Woche war und wir die Fotos in einem geschlossenen Raum machen mussten (was im HAVEN nicht gegeben ist). Zum Glück haben wir im Traineehouse so eine gute Küche eingerichtet, wo Küchenchef Pardet (Bild) sauber und bequem alle Gerichte für das Shooting zubereiten konnte. 

Es gibt noch sehr viel zu tun, bis das Buch wirklich druckfertig ist, aber wir hoffen, dass wir das HAVEN Kochbuch noch vor der nächsten Hochsaison präsentieren können.


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